Barcamp Bonn 2016 (#bcbn16)

Hätte mich jemand vor einigen Tagen gefragt, was genau ich mir von dem Barcamp in Bonn erhoffe, hätte ich nicht wirklich gewusst, was ich antworten sollte. Heute bin ich schon eine ganze Ecke schlauer, aber ich denke, dass sowohl das Konzept selber als auch ich persönlich noch eine Menge mehr aus diesem Ansatz heraus holen können.

Menschen wie ich treffen

In einem großen Raum zu sitzen mit ungefähr 200 anderen Menschen, die auf mich genauso neugierig sind wie ich auf sie, ist ein tolles Gefühl. Zwanglos und ohne Näherungsangst ergeben sich interessante Gespräche und ich spüre schnell, dass ich genau hier unter Menschen bin, denen ich sehr offen begegnen kann, auch wenn ich keinen wirklich kenne. Uns alle verbindet eine Leidenschaft: Wir alle lieben es, uns zu vernetzen. Mich reizen plötzlich die Begegnungen, für die ich sonst immer die Hürden meiner Schüchternheit mühsam überwinden muss. Jede Geschichte gefällt mir. Jedes Gespräch ist eine Bereicherung. Wir tauschen Twitter Names, beginnen, einander zu folgen und jeder hält diese Begegnungen und andere Eindrücke in seinen Beiträgen auf irgendeinem sozialen Netzwerk – oder am besten gleich mehreren – fest.

Ich erlebe, dass ich mich mit dem, was ich bin, wirklich zeigen kann und damit auch Interesse hervorrufe. Ich begegne Menschen, mit denen mich sofort eine Idee, ein Gedanke, ein Plan oder einfach nur eine Sympathie verbindet. Mein „soziales“ Netz wächst somit minütlich und ich kann spüren, wie ich intensiv Teil einer Gemeinschaft werde, von der ich ahnte, dass sie existiert, die ich aber hier zum ersten Mal körperlich erleben kann.

Begeisterung für einander entdecken

Das Barcamp lebt davon, dass es nicht auf Basis einer monatelang vorbereiteten und einstudierten Agenda stattfindet, sondern dass es jedem Teilnehmer freigestellt ist, entweder eine eigene thematische „Session“ anzubieten oder sich einen Vortag, eine Diskussion o.ä. zu einem bestimmten Thema zu wünschen. Zu Beginn der Veranstaltung werden diese Vorschläge gesammelt und gemeinsam zu einer Agenda zusammengestellt. Das Camp gibt sich also sein eigenes Programm. Mich beeindruckt, wieviele der Anwesenden sich bereit erklären für die anderen eigene Beiträge einzubringen.

Das Programm ist so voll, dass es mir schwer fällt, mich zu entscheiden. Jede der angebotenen thematischen Runden – „meine“ Agenda reichte von Geld verdienen mit Bloggen bis zu Hintergründe und Charakter Bonner Biere (mit Verköstigung!) – ist für mich eine Bereicherung, insbesondere, weil ich entdecke, wie begeistert andere Menschen für Themen sind, die auch mich brennend interessieren. So bleibt der einzelne Vortrag nicht für sich stehen, sondern wird von den Teilnehmern mitgenommen in Gespräche und Diskussionen beim Mittagessen oder Kaffee und Kuchen. Sie bilden also einen willkommenen Rahmen zur gegenseitigen Entdeckung.

Am Ende des Tages bleibt für mich das Gefühl, mein virtuelles soziales Netzwerk nicht nur ausgebaut, sondern zudem ein wenig näher in mein „reales“ Leben – zu dem natürlich meine Online-Aktivitäten maßgeblich gehören – eingebaut zu haben. Was am Ende nach Tagen oder Wochen davon bleibt, werde ich sehen, aber für den Moment habe ich das Gefühl, deutlich bereichert, ein Stück mehr eingetaucht zu sein und ein wenig mehr dazu zu gehören. Es ist ein gutes Gefühl, wieder einige Menschen mehr in meinem (erweiterten) Kreis zu wissen, die genauso oder zumindest ähnlich ticken wie ich. Und das ist nicht ganz selbstverständlich, weil ich immer wieder das Gefühl habe, doch ein wenig anders zu ticken als andere.

Barcamp 2017 – ich bin dabei.

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