Bundesamt vertreibt Flüchtlinge

Wir sind ja schon einiges gewöhnt in Deutschland, wenn es um Flüchtlinge geht. Aus Sachsen z.B., wo man sich mit allen illegalen Mitteln wehrt und damit inzwischen selbst bei demokratisch gewählten Politikern gesellschaftsfähig wird. Oder – etwas näher an Bonn – aus dem „Ruhrpott“, der ohnehin mit großen sozialen Problemen zu kämpfen hat. In Bonn war es dagegen bisher ruhig. Hier in Bonn agiert eine Bundesbehörde gegen die Flüchtlinge. Nicht irgendeine Behörde, sondern ausgerechnet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), das auf seiner Website noch so freundlich wirbt mit „Willkommen in Deutschland“.

Rückblick: Auch in Bonn wird überall händeringend nach Möglichkeiten gesucht, die Menschen, die schutzsuchend in unser sicheres Land fliehen, bestmöglich unterzubringen. Die Ermekeilkaserne, ein denkmalgeschützter aus den 1880ern, wird bereits seit längerer Zeit teilweise als Erstaufnahmeeinrichtung genutzt. Kurz vor Jahreswechsel wurde dann bekannt, dass die Stadt sie auch für die Unterbringung von Flüchtlingen einsetzen könne – eine gute Nachricht für 300 Menschen, denn andernorts müssen sich diese Menschen mit Turnhallen oder ungenutzten Baumärkten begnügen. Aber man möge sich nicht zu früh freuen, denn schließlich gehört das Gebäude nicht der Stadt, die in der Verantwortung diesen Menschen gegenüber steht, sondern der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Bei dieser Bundesanstalt hat dann wohl jemand vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge angeklopft, und man scheint sich einig geworden zu sein.

Das Bundesamt braucht Platz für einhundert Mitarbeiter. Büroplatz, also wohlgemerkt: Arbeitsflächen. Die sollen da nicht leben, sondern sich um die kümmern, die nicht wissen wohin. Deswegen forderte man über 300 Flüchtlinge kurzerhand auf, das gerade erst bezogene Gebäude wieder zu verlassen. Schließlich brauchen unsere Beamten warme und trockene Arbeitsräume, die menschenwürdiges Arbeiten möglich machen. Dass es ausgerechnet das Bundesamt ist, das genau für diese Menschen sorgen soll, ist ein wirklich bitterer Seitenwitz an dieser Geschichte. Auf die Idee muss man erst einmal kommen!

Gestern nun mussten die, die gerade erst angekommen waren und nach langem Hin und Her endlich sowas wie ein „Zuhause“ hatten, wieder raus. Kinder, die bereits zu Schulen oder in Kindergärten gingen, mussten ihr fragiles soziales Umfeld wieder aufgeben. Einmal mehr wurden Menschen entwurzelt. Einmal mehr wurden sie an andere Orte verschickt. Sie müssen jetzt in einer Turnhalle leben. Da kann, ja da muss man den Frust dieser Menschen einfach verstehen.

Es geht mir nicht in den Kopf, warum man für 100 Sachbearbeiter nicht einen anderen Platz finden kann. Warum können diese Bundesämtler nicht für eine zeit in Turnhallen arbeiten? Warum kann man nicht soviel Empathie aufbringen und denjenigen, die das Glück hatten, eine einigermaßen menschenwürdige Unterkunft zu haben, diese auch zu behalten? Ich schäme mich jetzt nicht nur für unsere Mit“menschen“, die im Osten und Westen Krawall gegen Hilflose veranstalten, ich schäme mich jetzt auch für unseren Bürokratiestaat. Es hinterlässt mich sprachlos.

„Willkommen in Deutschland“.

 

 

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