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Die Falschen verdienen das dicke Geld

Ich hatte gestern einen Fahrradunfall. Ich war selber schuld, aber es war trotzdem schlimm für mich. Am Ende hatte ich das große Glück, dass ich mir nur einen Finger ausgekugelt habe. Der Rest blieb heile.

Helfende Hände

Zwei Passanten haben mir von der Straße geholfen und einen Krankenwagen gerufen. Es dauerte nur wenige Minuten, dann waren die Sanitäter vor Ort. Sie haben sich um mich gekümmert, meinen Schock ernst genommen, mich untersucht, mich beruhigt und versucht, die Situation mit ein wenig Humor zu entspannen. Ich habe mich in diesem Momenten sicher und aufgehoben gefühlt. Es war genau das, was ich gebraucht habe, während ich dort auf dem Fußgängerweg saß.

Einige Minuten später traf auch eine Polizeistreife ein. Scheinbar ist es so, dass das bei Verkehrsunfällen automatisch geschieht. Auch die Polizisten waren sehr aufmerksam und fürsorglich. Die erste Frage war stets, ob ich einen Helm getragen habe. Das konnte ich guten Gewissens bejahen. Auch die Polizisten haben mit ihrer Ruhe die Situation für mich sehr angenehm und erträglich gestaltet. Die Polizistin bat mich sogar um meinen Fahrradschlüssel, um das Fahrrad sicher an einem Verkehrsschild anschließen zu können.

Als ich schließlich im Krankenhaus eintraf, war um ich herum eine ganze Schar von hilfreiche Menschen, die meine Puls maßen, meinen Blutdruck und meine Blutwerte feststellten, mich beruhigten und mir genau erklärten was vorging. Als ich nach den Röntgenaufnahmen und weiteren Untersuchungen feststellte, dass ich seit dem Frühstück nichts mehr gegessen hatte, war eine Schwester sogar so freundlich, mir ein Sandwich zu bringen. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass irgend etwas in Hektik ablief.

Mit einem Tag Abstand bin ich heute sehr dankbar für die Unterstützung und die Hilfe, die ich gestern erfahren durfte. Und dann macht sich ein Gefühl in mir breit: diese Menschen, Sanitäter, Polizisten, Krankenhauspersonal, sie alle waren gestern für mich da, haben sich um mich gekümmert und sie haben mir geholfen. Selbstverständlich. Sie sind und tragen ein System in unserem Land, das mir das Gefühl gibt, nie alleine, nie hilflos zu sein. Mir ist sehr bewusst, dass diese Sicherheit ein absoluter Luxus in unserer Welt ist.

Dann aber frage ich mich auch, wie weit wir bereit sind, diese Verantwortung, diese Aufgaben und ihre selbstverständliche Wahrnehmung zu honorieren. Was verdienen diese Menschen in ihren Jobs? Ich denke es ist allgemein bekannt, dass diese Aufgaben völlig unterbezahlt sind. Für die Verantwortung, für die Anstrengungen und auch für die Risiken, die mit diesen Jobs verbunden sind, reicht die Entlohnung, die diesen Menschen zuteil wird, niemals aus. Ich vermute, wir nehmen Sie einfach zu sehr als gegeben hin, und beginnen erst dann, sie wert zu schätzen, wenn wir selber auf Sie angewiesen sind oder wenn sie nicht da sind, wenn wir sie brauchen.

Das Geld verdienen die, die nichts beitragen

Die überflüssigsten Aufgaben unserer Gesellschaft aber sind hoch bezahlt. Es sind vor allem jene, die euer und mein Geld nehmen, um damit zu spielen, um sich selber zu beweisen und ein krankes System von Finanzwirtschaft zu bedienen. Aufgaben, die fast ausschließlich nur für sich selber da sind und keinerlei gesellschaftlichen Nutzen haben. Sie nutzen nur einem System, in dem unsere Gesellschaften ver- und gefangen sind. In einem anderen Kontext würde man diese Menschen als kranke Glücksspieler bezeichnen.

Sie sind so gut bezahlt, dass sie weit über das hinaus verdienen, was jeder Mensch zum Leben braucht. Während die, die unserer  Gesellschaft aufopferungsvoll dienen, ihr Leben mit ihrem Gehalt mühsam gestalten müssen, leben die Spieler  im sinnfreien Überfluss.

Es ist aus meiner Sicht längst an der Zeit, dass wir diese gesellschaftlichen Schieflage überdenken und korrigieren. Es tut niemandem weh, wenn man Bankern und Brokern und anderen Investmentspielkindern die Hälfte ihrer unverhältnismäßigen Einkommen abnimmt und damit diejenigen bezahlt, die wirklich Verantwortung tragen. Der Rest bliebe dann weiterhin ordentlich zu versteuern. Es würde gleichzeitig die Aufgaben für Menschen interessanter machen, in denen es gilt, sich um andere Menschen zu kümmern. Auf der anderen Seite würde es gleichzeitig jene Jobs uninteressant machen, die sich nur damit beschäftigen, jenes Finanzsystem zu befruchten und i.d.R. unstabiler zu machen, das weiterhin die Leitlinie unserer Leben bildet – bis dieses eines Tages abgelöst wird.

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