Blog

Krieg und seine Folgen

Ich habe mir heute im LVR Landesmuseum hier in Bonn die Ausstellung „1945 – Köln und Dresden“ angesehen. Die Ausstellung beschäftigt sich mit zwei der bekanntesten Fotowerke zu den Folgen des Zweiten Weltkrieges, Hermann Claasens Gesang im Feuerofen (1947) und Richard Peters Dresden – Eine Kamera klagt an (1950).

Beide Fotografen dokumentieren beeindruckend direkt die Zerstörung ihrer Städte Köln (Claasen) und Dresden (Peters). Claasen beschränkt sich in seinem Buch im wesentlichen darauf, die Sachzerstörung zu dokumentieren und dies vor allem anhand zerstörter Sakralbauten. Peters dagegen stellt in vieler Hinsicht die Menschen in den Mittelpunkt seiner Arbeit. Die Ausstellung dokumentiert über die Inhalte beider Bücher hinaus zusätzliche Arbeiten der Fotografen, die aus dem gleichen Zeitraum stammen, aber keinen Eingang in die Veröffentlichung fanden.

Wer sich jemals mit den Folgen des Zweiten Weltkriegs in Deutschland befasst hat, kennt viele der in den genannten Arbeiten vorgestellten Fotografien. Und doch nimmt der Blick diese Bilder plötzlich völlig anders wahr, wenn sie in einer fast schmerzhaft nicht enden wollenden Abfolge gezeigt werden. Der Eindruck der brutalen Zerstörung trifft den Betrachter aus jedem Bild heraus und erzeugt ein sich steigerndes Gefühl der Verzweiflung – insbesondere, weil Peters in seiner Arbeit auch nicht davor zurückschreckt, die sterblichen Überreste von Opfern zu dokumentieren.

Es stellt sich das Bewusstsein ein, mit jedem neuen Bild Zeuge zusätzlicher Zerstörung und eines rasch waschenden Berges von Opfern und Trümmern zu werden. Claasens beeindruckende Aufnahmen von Kondensstreifen der angreifenden Bomberverbände unterstreichen das Gefühl des Ausgeliefert-sein in besonderem Maße: Zu den Füßen stapeln sich die Trümmer und darüber kreisen lauernd die todbringenden Vögel.

Claasen selber wollte sein Werk als Anklage gegen den Krieg überhaupt verstanden wissen, als Ermunterung, den Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges keine weiteren gleichartigen folgen zu lassen. Nur ansatzweise kann vermutlich der Betrachter nachfühlen, wie die beiden Fotografen bei ihren suchenden und schauenden Gängen durch die Ruinen ihrer Städte gefühlt haben müssen. Aber das Plädoyer – vor allem Claasens, denn die Wirkung von Peters Arbeit leidet ein wenig unter der Einflussnahme des frühen Sozialismus – ist klar und deutlich vernehmbar.

So sehr die rein historische Bedeutung schon schmerzt – viele kennen vermutlich auch Filmaufnahmen von Feuerstürmen in britischen oder deutschen Städten –, so unglaublicher wird schließlich die Vorstellung, dass genau das auch heute noch passiert. Genau diese sinnlose und ziellose Zerstörung an Leib, Leben und Lebensraum erleiden heute Millionen von Menschen in den Kriegsgebieten dieser Welt. Nichts, aber auch gar nichts ist in diesen Gebieten anders als das, was Claasen und Peter mit ihren Kameras vor nunmehr fast 70 Jahren festgehalten haben.

Dass es angesichts solcher Bilder, angesichts des allgemeinen Bewusstseins der Folgen und Sinnlosigkeit von Kriegen, noch immer Menschen gibt, für die Krieg eine bloße „Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“ (Carl von Clausewitz) ist, erscheint kaum vorstellbar. Dass weltweit Milliarden und Aber-Milliarden Umsätze und Gewinne mit Gerätschaften erwirtschaftet werden, die ausschließlich dafür ausgelegt sind, Teile unserer Spezies auszurotten, hat eine ganz eigene perverse Dimension.

Am Ende bleibt vor dieser Kulisse die bedrückende Hilflosigkeit, doch nur zuschauen zu können. Aber: Wir können dann einen Unterschied machen, wenn wir den Willen bewusst leben, jeden menschenverachtenden Krieg verhindern zu wollen, indem wir uns unserer friedenstiftenden Macht als Menschen dieser Welt wieder bewusst werden.

Sag mir Deine Meinung...

Post Navigation