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Pisa in Deutschland

Wir bekommen heute zu lesen, dass deutsche Schüler endlich im Pisa-Vergleich wieder aufholen. Das Land atmet auf, das Fortbestehen ist gesichert. Die Verlierer der letzten Studie sind vergessen und es zählen nur noch die Helden und Heldinnen von heute. Wichtig dabei, dass die guten Kerndisziplinen hauptsächlich naturwissenschaftliche sind.

Ich frage mich dabei allerdings, wem genau dieser Bildungswettbewerb nützt. Wird irgendein Kind, ein Mensch, ein Land, eine Kultur besser dadurch, dass unsere Kinder durch ein fragwürdiges Bildungssystem geprügelt werden? Was bringt uns ein besseres Mathematikverständnis, wenn die Kinder keine Zeit mehr haben, Charakter zu entwickeln? Wieso werden trotz aller gegenteiligen Erkenntnisse Naturwissenschaften weiterhin als Allerheiligstes der Bildungskultur verstanden?

Wieso vergessen wir bei unseren Jüngsten, was eine Gesellschaft tatsächlich prägt? Wieso werden charakterbildende Fächer (wir hatten damals noch etwas wie „Werte und Normen“ unterrichtet bekommen) nicht mindestens gleich bewertet? Meiner Erfahrung nach wird, wenn denn an Unterrichtsstunden etwas ausfallen muss, bevorzugt bei den Fächern gestrichen, die keinen naturwissenschaftlichen oder sprachlichen Hintergrund haben. Ich frage mich, was genau dieses Bildungssystem erreichen will. Es ist gut vorstellbar, dass wir uns denken, dass eine naturwissenschaftliche Ausbildung zu einem Studium und am Ende zu mehr Geld führen wird, zu einer „besseren“ individuellen Zukunft. Ist das nicht eine Illusion? Sind wir nicht vielmehr längst auf dem Weg dahin, dass wir unseren Kindern mitnichten das mitgeben, was sie zum Leben – und dazu gehört viel mehr als Besitz un Geldverdienen – tatsächlich brauchen.

Mir persönlich sagt der Pisa Test nichts, außer dass wir uns hier einem internationalen Wettbewerb aussetzen, der keinerlei Aussagekraft hat. Die Bildungspanik, die nach den letzten Pisa-Ergebnissen ausbrach, hat nicht wirklich zu Veränderungen geführt. Oder verzeichnen wir den Terror, den wir den Kindern mit G8 antun als Bildungserfolg? An den Strukturen, die die „Bildunsgmisere“ bedingen, haben wir nichts verändert – und es ist auch nicht absehbar, dass wir diese Probleme wirklich adressieren.

Ich empfehle dringend den TED-Beitrag von Ken Robinson, der unterhaltsam aber beeindruckend erläutert, was falsch ist und sich verändern muss.

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