Ein SozialCamp ist auch ein BarCamp

“Nach dem BarCamp ist vor dem BarCamp” ist das Gefühl, das in fast schon gassenhauerischer Weise zurück bleibt, wenn ich den Menschen vorerst den Rücken kehren muss, mit denen ich soviel zusammen habe erfahren dürfen. Denn so schwer es mir jedesmal fällt, zu gehen, so sehr freue ich mich bereits jetzt auf die nächsten Begegnungen.

Wat is’n ein SozialCamp?

Da stellen wir uns mal janz dumm und sagen dat is ein BarCamp mit dem Schwerpunkt “Soziale Arbeit”. Aber weil es eben ein BarCamp ist, muss sich nicht alles ausschließlich um das zentrale Thema drehen. Und das ist es, was ich an diesen Camps so liebe: Niemand weiss genau, was ihn oder sie erwartet, wenn er (oder sie – und damit genug ge-gendert) morgens ankommt, denn die Agenda wird gemeinsam und aus Vorschlägen der Gruppe zusammengestellt.
Deswegen haben die Teilnehmer auch dieses mal eine riesige Auswahl gehabt – einziger Nachteil ist, dass man eben nicht alles mitmachen kann.
Während wir mit Marianne konkret überlegt haben, welche Wege wir gegen Hate-Speech im Netz gehen können, fragte sich Ben mit seiner Gruppe, wie man Kinder am besten ans Digitale führt. Roland fragte sich dann mit Interessierten, ob und wie digitale Lobbyarbeit gelingen kann, während Aleks uns einen – sehr persönlichen Einblick – in das Phänomen Autismus gab. Und das war nur ein winziger Ausschnitt aus dem kurzen Programm von Tag 1.

Wen interessiert denn soziale Arbeit?

Die Frage wurde in den Sessions und den Gesprächen am Rande immer wieder gestellt. Für die Caritas – die dieses Camp großzügig unterstützte – geht es dabei bereits ans Eingemachte. Wir haben uns gefragt, ob der etablierte Ruf und das damit verbundene Versprechen von Qualität und Humanität/Moral ausreicht, in einem finanziell konkurrierenden Markt zu bestehen. Wie weit muss, kann, darf sich eine Caritas öffnen und verändern, ohne das Profil zu riskieren – und wie passt das mit einer digitalen Strategie zusammen. Wie kommt man überhaupt zu strategischen Entscheidungen in einer Organisation mit mehr als einer halben Million Mitarbeitern, die in den verzweigten und komplizierten (Entscheidungs)Strukturen einer Großkirche eingebunden ist.
Für mich war das die erste derart detaillierte Begegnung mit Fragestellungen in einem nicht-kapitalistischen Kontext. Ich bin unglaublich dankbar, dass diese Gespräche offen auch im Plenum geführt wurden und so auch uns “Außenstehenden” die Möglichkeit eröffneten, uns daran zu beteiligen.
Denn jeden muss die Zukunft sozialer Arbeit interessieren, weil die Bedeutung von Menschen und Leistungen immer größer wird, die sich um Hilfebedürftige jeglicher Coleur kümmern bzw. drehen. In diese Lage kann (und wird vermutlich) jeder von uns irgendwann kommen.

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Eröffnung des SozialCamp durch Johannes & Sascha

Was kommt denn dabei raus?

Sitzt man da nur zwei Tage hübsch beisammen und haut sich in der Pause die kleinen Berliner rein? Sicherlich nicht. Mich hat in ganz besonderer Weise die Ernsthaftigkeit aller Diskussionen beeindruckt, die aber niemals aus dem Auge verlor, dass wir alle an Themen arbeiten, die für Zukunft und Hoffnung stehen. Dieser gemeinsame Geist lag über den ganzen zwei Tagen. Wir sind dann auch zu konkreten Absprachen an einigen Themen gekommen, weiter daran zusammen zu arbeiten. Schon heute am “Day after” gibt es erste Aktionen in diese Richtungen.
Besonders wichtig ist aber natürlich, sich überhaupt einmal kennengelernt zu haben. Nur so können wir ja am Ende feststellen, dass wir Anknüpfungspunkte haben und diese ausbauen wollen. Da ist dann jeder offen dabei: Ob Pressesprecher oder Student, beim BarCamp sind Hierarchien irrelevant.
Vor mir liegt ein ganze Stapel von Visitenkarten, denn auch in Zeiten der Digitalisierung, ist das immer noch das beliebteste Medium. Diese neuen Kotakte pflege ich jetzt in mein Adressbuch ein, mache mir Notizen und nehme bereits heute erste weitere Kontakte auf. Ich möchte aus den Erfahrungen der letzten Tage wirklich etwas mitnehmen und daraus etwas machen.
Und deswegen heisst es eben “Nach dem BarCamp ist vor dem BarCamp”, denn nur so können wir ja beim nächsten SozialCamp in 2017 (ich sprach ja bereits von “Hoffnung”) weitere sinnvolle Schritte tun.


Ich selber habe am zweiten Tag einen Beitrag zum Thema Psychologie des Bösen – Wie aus gewöhnlichen Menschen Täter werden gehalten. Es ist ein sehr spannendes Thema, das am Ende jeden Einzelnen von uns betrifft. Meine Präsentation stelle ich euch hier zur Verfügung.

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Featured Image: bonn.camp

7 Thoughts on “Ein SozialCamp ist auch ein BarCamp

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  2. Pingback: Barcamps als gelebte soziale Agilität: Mein Review zum #sozialcamp – IdeeQuadrat

  3. Dein Beitrag und Vortrag war großartig und hat mich sehr betroffen! Eine Botschaft, die es weiterzutragen gilt! Vielen Dank und Grüße aus Berlin!

    • Reiner on 6. Dezember 2016 at 8:05 said:

      Liebe Anna, herzlichen Dank. Es hat in dem Rahmen und mit den interessierten Zuhörern auch sehr viel Spaß gemacht.

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