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Was geht bloß in eurem Kopf vor? – Bäume

Ich gehe morgens vor der Arbeit gerne spazieren, ausgiebig spazieren. Dazu bietet sich bei uns der Grünzug an, der Bonn am westlichen Rand umfasst und u.a. auch an Tannenbusch vorbei läuft. Tannenbusch ist, insbesondere der „Neu-Tannenbusch“ genannte Stadteil, sicherlich der soziale Brennpunkt Bonns.

Der genannte Grünzug ist ein liebevoll gestalteter fast park-ähnlicher Bereich, der zum Spazierengehen einlädt, den Hundehalter gerne mit ihren Vierbeinern als Auslauf nutzen und der ebenso für Fußgänger und Radfahrer eine sehr schnelle Verbindung zwischen den Stadtteilen entlang des Bonner Westens ermöglicht. Die Grünflächen laden bei schönem Wetter Menschen aller Art zum Sitzen und zum Picknick ein. Die großzügigen Spielplätze bieten reichlich Platz für die kleinen und großen Kinder, sich auszutoben. So etwas nennt sich wohl „Naherholungsgebiet“.

Hier kann man gerne mal vergessen, dass sich der Stadteil Tannenbusch genau nebenan befindet. Aber immer wieder findet man Spuren, die die Erinnerung zurück holen. Müll wird allerorten beliebig auf den Flächen und wegen entsorgt. Große Informationstafeln, die über das Gebiet informieren sollen, werden zerstört, genauso wie andere Installationen wie Sitzbänke.

Als ich neulich die Anlage betrat, bot sich mir allerdings ein völlig neuer Blick. Irgendjemand hatte tatsächlich zwei neu gepflanzte Bäume, die in einer stabilisierenden Konstruktion fixiert waren, kurz vor dem Boden abgesägt, sodass die Bäume traurig in der Stützkonstruktion hingen. Dass sich hier Menschen in ihrem destruktiven Treiben an lebenden Bäumen austoben, hat selbst in Tannenbusch was Neues.

Ich frage mich wirklich, was in einem solchen Moment in einem halbwegs normal funktionierenden Gehirn schief läuft. Vor allem frage ich mich, was für den oder die Helden nach ihrem Einsatz geblieben ist. Irgendeine Befriedigung, ein völlig schutzloses Leben beendet zu haben? Das Gefühl irgendeiner Stärke, irgendeiner Macht? Es bleibt die Verwunderung, was Menschen (sich) so leisten. Was ist so schwer an Respekt? Respekt für das Leben, zumindest Respekt für den Besitz anderer.

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